Gesund durch Bewegung
Gesund durch Bewegung

Plötzlicher Herztod

 

Mein ganzes Leben ist geprägt von Sport und Bewegung in der Natur. Ich bin staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrerin, Sport-Physiotherapeutin, Qi Gong- und Yoga Lehrerin. Mit viel Freude unterrichte ich andere Menschen in meinen Kursen und führe sie zu Gesundheit und Fitness. Ich bin 50 Jahre alt und stehe mitten im Leben.

Es ist der 16. Februar 2015, es läuft ein Gruppentraining – und plötzlich falle ich einfach um. Alle wundern sich, warum ich denn nicht gleich wieder aufstehe. Ein Teilnehmer, so erzählt man mir später, ist ein erfahrener Bergführer und erkennt sofort die Situation. Er beginnt mit der Herzmassage, eine andere Teilnehmerin übernimmt die Mund-zu-Mund-Beatmung. Nach achtzehn Minuten kommt der Rettungsarzt  und übernimmt die Reanimation mit einer einmaligen Defibrillation, die das Kammerflimmern in einen Sinus Rhythmus konvertiert.

Im Krankenhaus werde ich dann in  ein künstliches Koma versetzt, aus dem ich nach vier Tagen langsam erwache. Ich erinnere mich dunkel,  dass ich geschrien habe weil ich nach Hause wollte und versucht habe mir die Schläuche raus zu ziehen. Ich habe einfach keine Ahnung, warum ich hier angeschnallt mit so vielen Schläuchen liege und wundere mich, dass ich die Uhr doppelt sehe und alles nur sehr dumpf wahrnehme. Das Sprechen fällt mit sehr schwer, mein Brustkorb schmerzt, und an Aufstehen ist gar nicht zu denken. Selbst das Trinken oder das Schreiben muss ich wieder lernen, doch mit Hilfe der Schwestern erhole und lerne ich erstaunlich schnell. Diagnostiziert wird mir eine Myokarditis; dies erstaunt mich, da ich schon viele Jahre hindurch keinerlei Entzündung oder Erkältung bekommen hatte. Allerdings hatten sich in meinem Leben die Belastungen aufgeschaukelt. Ich wurde über 1,5 Jahre lang von einer psychisch schwer erkrankten Frau tagtäglich belästigt, bedroht und schließlich mehrmals angegriffen…Das hinterlässt bis heute noch seelische Narben (die Hilflosigkeit und ohnmächtige Wut, dass einem kaum jemand helfen kann). Daraus erfolgten einige weitere privaten Veränderungen und an diesem Tag eine sehr traurige Nachricht...das war dann doch einfach zu viel für mich.

Die Ärzte im Krankenhaus legen mir Nahe meinen Beruf aufzugeben...

Nach zwei Wochen darf ich das Krankenhaus mit einer angelegten Defibrillationsweste verlassen und beginne mich langsam zu erholen. In den folgenden Untersuchungen  zeigt sich ein guter Heilungsverlauf. Die Frage nach der Implantation eines Defibrillators steht im Raum, aber ich weigere mich und suche nach 3 Monaten die Uniklinik auf um mir weiteren Rat zu holen. Hier bekomme ich die ersehnte Entwarnung und ich darf langsam mein Training starten. Weitere zwei Wochen später beginne ich vorsichtig und sehr dosiert meine freiberufliche Arbeit wieder aufzunehmen.

Die ganze Zeit war gefüllt mit emotionalen Momenten. Ich hatte Existenzangst und fürchtete, meine Arbeit und meine Hobbies nie wieder ausüben zu können. Hinzu gesellte sich die Sorge, dass psychische oder physische Defizite bleiben könnten. Mich freute aber die große Anteilnahme all meiner Kursteilnehmer und Freunden, die mich psychisch unterstützt haben.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Zeilen überhaupt schreiben kann und dass mein Leben so ganz allmählich wieder normale Formen annimmt. Viele Leute sagen, ich hätte diese Erfahrung super gehandhabt. Aber es stimmt nicht, mein einziges Glück lag an dem beherzten Eingriff meiner Retter und der perfekten Notfallversorgung. Hände retten leben, und deswegen sage ich

DANKE!

 

 

 

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